Auf der Hochebene zwischen Mardin, Midyat und dem Tigris wird seit dem 4. Jahrhundert in syrisch-aramäischer Sprache gebetet – in der Sprache, die auch Jesus sprach. Der Name Tur Abdin bedeutet „Berg der Knechte Gottes“, und das Kloster Mor Gabriel, im Jahr 397 gegründet, ist bis heute von Mönchen und Nonnen bewohnt. Hier am Abendgebet teilzunehmen und, wenn Plätze frei sind, im Kloster zu übernachten, gehört zu den stillen Höhepunkten dieser Reise.
Davor führt der Weg zu den Ursprüngen der biblischen Erzählung: an den Euphrat, nach Şanlıurfa mit seinen Abrahamsüberlieferungen und nach Harran, wo Abram an der Seite seines Vaters Terah wohnte, bis ihn der Ruf Gottes weiterziehen ließ. Göbekli Tepe lädt zum Nachdenken über den Anfang ein. Später folgen das Safrankloster bei Mardin, Nisibis mit der Kirche Mor Yakub, die Kirchen von Hah und Salah, die Basaltmauern von Diyarbakır am Tigris und der Sonnenaufgang auf dem Nemrut Dağı.
In 15 Tagen begleitet Sie eine staatlich lizenzierte, deutschsprachige Reiseleitung, die mit dieser Gegend seit Langem vertraut ist.
Der Bibel-Lesepfad
Diese Stellen lesen Sie vor Ort
1. Mose 2,10–14Birecik am Euphrat
Die Paradieserzählung nennt den Phrath unter den vier Strömen – gelesen am Ufer des Euphrat.
Hiob 19,25Şanlıurfa
Die örtliche Überlieferung verbindet Urfa mit Hiob; sein Bekenntnis zum lebendigen Erlöser klingt an der Gedenkstätte besonders nach.
1. Mose 11,31–32Harran
Terah zieht mit Abram nach Haran und stirbt dort.
1. Mose 12,1–5Harran
Gottes Ruf an Abram – und sein Aufbruch aus Haran in das Land, das Gott ihm zeigen will.
1. Mose 28,10Harran
Jakob zieht nach Haran zu Laban; auf dem Weg dorthin träumt er von der Himmelsleiter.
Apg 2,9Tur Abdin (Mesopotamien)
Zu Pfingsten hören auch Menschen „aus Mesopotamien“ die großen Taten Gottes in ihrer Sprache.
Mt 2,1–11Hah
Die Überlieferung des Ortes erzählt, die Weisen hätten auf ihrem Weg in Hah gerastet – die Marienkirche hält die Erinnerung wach.
1. Mose 2,14Hasankeyf am Tigris
Der Hiddekel, der Tigris, gehört zu den Strömen des Gartens Eden.
Jes 45,5Nemrut Dağı
Wo sich ein König als Gott darstellen ließ, erinnert das Prophetenwort daran, wer allein Gott ist.
Tipp: Nehmen Sie Ihre eigene Bibel mit – an jedem Ort schlagen wir gemeinsam die passende Stelle auf. Bibelzitate nach der Lutherbibel 1912.
Tag für Tag
Reiseverlauf
Tag1
Ankunft in Gaziantep
Flughafen Gaziantep → Hotel
Ihre Reiseleitung nimmt Sie am Flughafen von Gaziantep in Empfang und begleitet Sie ins Hotel. Die Stadt am Rand Mesopotamiens ist bekannt für ihre Mosaiken, ihre Pistazien und eine der feinsten Küchen des Landes. Beim alkoholfreien Willkommenscocktail lernen sich die Mitreisenden kennen; ein erster Überblick über Weg, Vergangenheit und Kirchen des Landes und ein Segenswort für die gemeinsamen Tage beschließen den Abend.
Übernachtung: Gaziantep
Tag2
Doliche, Zeugma und die Altstadt von Gaziantep
Dülük → Zeugma-Mosaikmuseum → Altstadt
Am Vormittag führt der Weg nach Dülük, dem antiken Doliche, mit dem Heiligtum des Jupiter Dolichenus, Felsgräbern und frühchristlichen Spuren. Mittags öffnet das Zeugma-Mosaikmuseum, eines der größten seiner Art, seine Säle – mit dem berühmten „Mädchen mit den Zigeuneraugen“ aus der Stadt am Euphrat, in der schon früh Christen lebten. Nachmittags geht es durch die Altstadt: zur Zitadelle, die nach dem Erdbeben 2023 restauriert wird, zu den alten Hans und durch die Gasse der Kupferschmiede – mit einem Stück Baklava.
Übernachtung: Gaziantep
Tag3
Über den Euphrat in die Stadt Abrahams
Gaziantep → Birecik → Şanlıurfa
In Birecik stehen wir am Ufer des Euphrat, den die Bibel zu den Strömen des Paradieses zählt; hier lebt auch eine Kolonie der seltenen Waldrappen. Am Nachmittag erreichen wir Şanlıurfa, das alte Edessa, das zu den frühesten Orten zählt, an denen das Christentum Staatsreligion war. Rund um Balıklıgöl mit seinen heiligen Karpfenteichen, der Halil-ur-Rahman-Moschee und der Höhle, in der Abraham der Überlieferung nach geboren wurde, wird der Erzvater gegenwärtig. Von der Zitadelle blicken wir über die Stadt und besuchen die Stätte, die an Hiob erinnert.
1. Mose 2,14Hiob 19,25Übernachtung: Şanlıurfa
Tag4
Göbekli Tepe und das Museum von Şanlıurfa
Şanlıurfa → Göbekli Tepe → Şanlıurfa
Rund 11.000 Jahre alt sind die monumentalen T-Pfeiler von Göbekli Tepe – älter als Stonehenge und die Pyramiden. Zwischen den Tierreliefs dieser UNESCO-Welterbestätte stellt sich die Frage nach dem Anfang, mit der auch die Bibel beginnt. Am Nachmittag zeigt das Archäologische Museum Şanlıurfa die „Urfa-Statue“, eine der ältesten lebensgroßen Menschenfiguren, dazu das Haleplibahçe-Mosaikmuseum. Abends schlendern wir durch die überdachten Basare und trinken einen Kaffee im Gümrük Hanı.
Übernachtung: Şanlıurfa
Tag5
Harran – wo Abraham aufbrach
Şanlıurfa → Harran → Şanlıurfa
Harran ist das biblische Haran. Hier lebte Abram zusammen mit Terah, seinem Vater, bis der Ruf Gottes ihn in das verheißene Land führte; Generationen später floh Jakob hierher zu seinem Onkel Laban. Zwischen den Bienenkorbhäusern, den Ruinen der alten Universität und der Stadtmauer lesen wir die Abrahamsgeschichte dort, wo sie ihren Ausgang nahm. Der Nachmittag in Şanlıurfa bleibt frei – zum Ausruhen, zum stillen Nachklingen oder für einen weiteren Gang zum Abrahamsteich.
Über Viranşehir und Kızıltepe durchqueren wir die Ebene Obermesopotamiens, bis Mardin wie ein Amphitheater über ihr auftaucht – Kirchen, Moscheen und Häuser aus honigfarbenem Kalkstein. In der Altstadt besuchen wir die syrisch-orthodoxe Kırklar-Kirche (Mor Behnam) und die Ulu Camii, gehen durch den Basar und genießen den Blick weit über das flache Land. Beim Abendessen im Hotel liegt die mesopotamische Ebene im Abendlicht vor uns.
Übernachtung: Mardin
Tag7
Das Safrankloster Deir az-Zafaran
Mardin → Deir az-Zafaran → Mardin
Mehr als acht Jahrhunderte residierten im Kloster Deir az-Zafaran die syrisch-orthodoxen Patriarchen, und bis heute wird hier in aramäischer Sprache gebetet. Wir sehen die Kirchen, die Grablege der Patriarchen und tief unter dem Kloster ein altes Sonnenheiligtum, auf dem die Anlage ruht. Zurück in Mardin folgen das Museum, das im früheren Sitz des syrisch-katholischen Patriarchen untergebracht ist, und die Zinciriye-Medrese mit Blick über die Dächer. Am späten Nachmittag haben Sie Zeit für die Gassen, Mardiner Gebäck oder einen Kaffee mit Aussicht.
Übernachtung: Mardin
Tag8
Dara und Nisibis
Mardin → Dara → Nusaybin → Mardin
Die byzantinische Grenzfestung Dara beeindruckt mit ihrer Felsnekropole und gewaltigen Zisternen. In Nusaybin, dem alten Nisibis, betreten wir die Mor-Yakub-Kirche aus dem 4. Jahrhundert, unter der Jakob von Nisibis bestattet liegt – jener Bischof, der am Konzil von Nizäa teilnahm. Hier lehrte auch Ephräm der Syrer, und die Stadt war damals ein Zentrum syrischer Theologie. Nach einem kurzen Halt an der Zeynel-Abidin-Moschee fahren wir zurück nach Mardin.
Übernachtung: Mardin
Tag9
Midyat und eine Nacht in Mor Gabriel
Mardin → Midyat → Mor Gabriel
In Midyat prägen prachtvolle Steinhäuser und syrisch-orthodoxe Kirchen das Bild der Altstadt. Am Nachmittag erreichen wir Mor Gabriel, 397 gegründet und eines der ältesten Klöster der Welt, in denen bis heute Mönche leben – das geistliche Herz des Tur Abdin. Nach der Führung durch Kirchen und Krypta begegnen wir, soweit möglich, der Klostergemeinschaft. Am Abend nehmen wir am aramäischen Abendgebet teil und übernachten nach Verfügbarkeit in den schlichten Gästezimmern des Klosters; sonst wohnen wir in Midyat.
Übernachtung: Kloster Mor Gabriel
Tag10
Hah und Salah – Kirchen im Herzen des Tur Abdin
Mor Gabriel → Hah → Salah → Midyat
Nach örtlicher Überlieferung sollen die Sterndeuter aus dem Osten auf ihrem Weg nach Bethlehem in Hah gerastet haben; daran erinnert die Meryem-Ana-Kirche, die zu den kunstvollsten Bauten der Region gehört. Gleich in der Nähe liegen die Ruinen der Kathedrale Mor Sobo. Am Nachmittag besuchen wir in Salah das Kloster Mor Yakub, in dem nach langem Leerstand und Verfall wieder Mönche leben – ein Zeichen der Hoffnung für die aramäische Christenheit. Den Abend verbringen wir in Midyat, mit Zeit für Begegnungen in der Altstadt.
Mt 2,1–11Übernachtung: Midyat
Tag11
Am Tigris: Hasankeyf, Malabadi und Silvan
Midyat → Hasankeyf → Malabadi → Silvan → Diyarbakır
Am Tigris, den die Bibel als Hiddekel unter die Ströme des Paradieses zählt, ist das alte Hasankeyf im Ilısu-Stausee versunken; seine Monumente wurden in einen Kulturpark der neuen Stadt versetzt, und vom Ufer blicken wir auf den Burgfelsen über dem Wasser. Mittags überspannt die Malabadi-Brücke aus dem 12. Jahrhundert den Batman-Fluss, eine der größten Steinbogenbrücken ihrer Art. In Silvan, dem alten Martyropolis, der „Stadt der Märtyrer“, sehen wir die Große Moschee der Artukiden, bevor wir Diyarbakır erreichen.
1. Mose 2,14Übernachtung: Diyarbakır
Tag12
Diyarbakır – Basaltmauern über dem Tigris
Stadtmauer → Zehn-Bogen-Brücke → Altstadt
Aus schwarzem Basalt sind die Mauern von Diyarbakır, dem antiken Amida, errichtet – sie zählen zu den längsten Stadtmauern der Welt und gehören zum UNESCO-Welterbe. Von der Zehn-Bogen-Brücke über den Tigris schauen wir auf die Hevsel-Gärten. Am Nachmittag besuchen wir die syrisch-orthodoxe Marienkirche, in der eine Gemeinde bis heute Gottesdienst feiert, dazu die Ulu Camii und den Hasan-Paşa-Han. Der Abend klingt im Hotel aus.
Übernachtung: Diyarbakır
Tag13
Über den Euphrat in das Reich Kommagene
Diyarbakır → Siverek → Atatürk-Stausee → Kahta
Über Siverek erreichen wir den Atatürk-Stausee und setzen – je nach Wasserstand und Fahrplan – mit der Fähre über den aufgestauten Euphrat. Jenseits liegt das Reich Kommagene, dessen Herrscher sich als Götter verehren ließen. Wir sehen den Grabhügel Karakuş der kommagenischen Königinnen, die römische Cendere-Brücke des Septimius Severus und in Arsameia das Relief des Handschlags. Nach dem Abendessen am Fuß des Nemrut heißt es früh schlafen gehen, denn der nächste Morgen beginnt vor Sonnenaufgang.
Übernachtung: Region Kahta/Karadut
Tag14
Sonnenaufgang auf dem Nemrut Dağı
Nemrut Dağı → Adıyaman → Gaziantep
Noch in der Dämmerung steigen wir auf über 2.100 Metern zu den Terrassen des Nemrut Dağı hinauf, wo die Kolossalköpfe König Antiochos’ der aufgehenden Sonne entgegenblicken. Hier wollte ein Mensch Gott sein – in der Morgenandacht im ersten Licht hören wir das Wort dessen, der spricht: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr. Nach dem Frühstück im Hotel fahren wir über Adıyaman zurück nach Gaziantep, wo der Abschiedsabend mit Spezialitäten der Stadt die Reise beschließt.
Jes 45,5Übernachtung: Gaziantep
Tag15
Abschied von Mesopotamien
Hotel → Flughafen Gaziantep
Je nach Abflugzeit bringt Sie der Transfer zum Flughafen Gaziantep. Wer noch Zeit hat, kann eine Badeverlängerung an der Ägäis oder an der Riviera anschließen. Im Ohr bleibt der Klang der aramäischen Gebete, vor Augen stehen Klöster, die seit über anderthalb Jahrtausenden bewohnt sind – und die Erfahrung, dass der Glaube, zu dem Abraham einst aufbrach, in dieser Landschaft bis heute eine Heimat hat.
Die Route
Auf der Karte
1Gaziantep2Birecik3Şanlıurfa4Göbekli Tepe5Harran6Mardin7Deir az-Zafaran8Nusaybin (Nisibis)9Midyat10Mor Gabriel11Hah12Hasankeyf13Diyarbakır14Nemrut Dağı
Leistungen & Preis
Was im Reisepreis enthalten ist
Preis auf Anfrage
Der Reisepreis richtet sich nach Termin, Gruppengröße und Zimmeraufteilung. Sie erhalten Ihr persönliches Angebot – kostenlos und unverbindlich.
Eintritte laut Programm und Fähre über den Atatürk-Stausee
Alkoholfreier Willkommenscocktail
Nicht enthalten
Flug – auf Wunsch fragen wir passende Verbindungen für Sie an
Mittagessen und Getränke
Freiwillige Spende für das Kloster Mor Gabriel
Trinkgelder (Richtwert: Reiseleitung ca. 3–5 €, Fahrer ca. 2–3 € pro Tag)
Reiseversicherungen
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Was verbirgt sich hinter dem Namen Tur Abdin?
Tur Abdin heißt „Berg der Knechte Gottes“. So heißt das Bergland im Dreieck von Mardin, Midyat und Tigris, in dem syrisch-orthodoxe Christen und ihre Klöster seit dem 4. Jahrhundert zu Hause sind.
Ist die Übernachtung im Kloster sicher eingeplant?
Das Kloster Mor Gabriel nimmt Gäste in schlichten Zimmern auf, die Übernachtung hängt aber von der Verfügbarkeit ab. Ist kein Platz frei, weichen wir auf ein Hotel in Midyat aus; die anderen Nächte sind ohnehin in Hotels geplant.
Wie steht es um die Sicherheit in der Region?
Wir verfolgen die Lage und die aktuellen Reisehinweise fortlaufend und passen das Programm bei Bedarf an. Ihre Reiseleitung lebt in der Türkei und ist mit dieser Gegend seit Langem vertraut.
Kann ich mit meiner Gemeinde, meiner Pfarrei oder allein reisen?
Ja. Gemeinden, Pfarreien und Gruppen reisen ab 9 Personen, privat ist die Reise schon ab einer Person möglich – für Christen aller Konfessionen.
Was kostet die Reise?
Der Preis ist auf Anfrage erhältlich, weil er von Termin, Gruppengröße und Zimmeraufteilung abhängt. Sie erhalten ein persönliches Angebot – kostenlos und unverbindlich.
Muss ich den Flug selbst organisieren?
Der Flug nach Gaziantep ist nicht enthalten. Auf Wunsch fragen wir passende Verbindungen für Sie oder Ihre Gruppe an.
Anfrage & Buchung
Diese Reise anfragen
Tur Abdin und Mesopotamien – Abraham, Klöster und die Sprache Jesu